Wiener Stadtutopien revisited

Wien bietet international prominente Beispiele für Architektur und Städtebau im Geist der großen Gesellschaftsutopien des 20. Jahrhunderts. Allen voran die Gemeindebauten des Roten Wien in der Zwischenkriegszeit und die Fortführung dieser Tradition nach 1945. Wie auch das für seine Zeit teils progressive ökologische Gedankengut eines Friedensreich Hundertwasser und dessen – umstrittene, als wenig progressiv geltende – bauliche Ausformungen.

Das Erbe der Gemeindebauten wird im heutigen Wien nach pragmatischen Gesichtspunkten verwaltet (in mancher Hinsicht eher Mängel-verwaltet). Das sozialreformerische und insbesondere bildungspolitische Gesamtkonzept, in das diese Bauten eingebettet waren – etwa in Form von Arbeiterbildungsinstitutionen – ist seither weitgehend erodiert. Ziel dieses Teilprojekts ist es unter anderem, den Denkraum für die Wiederbelebung der Gemeindebauten als gelebte Sozialutopie zu erweitern. Hier werden die Ideen politischer Utopien und die Ansprüche an Gemeindebauten verbunden und kontrastiert, um Impulse zu geben, welche Wege des gemeinschaftlichen Wohnens und Lebens im 21. Jahrhundert denkbar sind.

Dies durchaus als Argumentationsbasis für einen Erhalt jener Sonderform kommunalen Wohnens. Wenn die Gemeindebauten eben nicht „Wohnanlagen wie alle anderen“ darstellen, wird man Privatisierungs-Begehrlichkeiten politisch eher etwas entgegenzusetzen haben.

Zudem können Wiener Städtebau-Modelle der Vergangenheit bilanziert werden – auch Stadt-Dystopien wie der nicht umgesetzte Plan einer nationalsozialistischen Neugestaltung großer Areale von Wien. Auf solche stadtplanerischen Vergangenheitsentwürfe kann mit einer utopischen Leitvorstellung (nicht: Modell!) für ein Wien der Zukunft geantwortet werden.

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